Brandschutzfenster
Brandschutzfenster begrenzen im Brandfall Flammen- und Rauchdurchtritt und – je nach Klasse – auch die Wärmeübertragung. Sie kommen in Rettungswegen, Trennwänden zwischen Nutzungseinheiten, Treppenhäusern oder Fassaden mit brandschutztechnischen Anforderungen zum Einsatz. Entscheidend sind die richtige Klassifizierung (E/EW/EI mit 30/60/90 Minuten), ein geprüftes System (Rahmen + Glas + Zubehör) sowie der Einbau gemäß Zulassung/Prüfzeugnis.
Brandschutzfenster – Klassen, Systemaufbau und Einsatzbereiche
Klassen (vereinfacht erklärt):
- E (Raumabschluss): Verhindert Flammen-/Rauchdurchtritt für die angegebene Zeit (z. B. E30).
- EW (E + Strahlungsbegrenzung): Zusätzlich reduzierte Wärmestrahlung auf der sicheren Seite (z. B. EW30/EW60).
- EI (E + Wärmedämmung): Hält die Temperatur auf der sicheren Seite niedrig (z. B. EI30/EI60/EI90) – höchste Schutzstufe für Fenster.
Systemaufbau:
- Rahmenprofile: Stahl, Aluminium oder Holz/Holz-Alu als geprüftes System inkl. brandschutzrelevanter Einlagen/Dichtungen.
- Brandschutzverglasung: Mehrlagige Verbundgläser mit reaktiven (intumeszierenden) Zwischenschichten; im Brand schäumt die Zwischenschicht auf und isoliert.
- Zubehör/Details: Spezielle Glasleisten, intumeszierende Dichtprofile, brandschutzgeprüfte Abstandhalter/Unterlagen; Beschläge und ggf. Schließmittel systemgebunden.
Einsatzbereiche: Innenwände mit Feuerwiderstand, Treppenhäuser, Flure, Raumtrennungen, Fassaden mit brandschutztechnischen Anforderungen. Öffnungsflügel sind nur zulässig, wenn im Brandschutzkonzept vorgesehen und im System geprüft; häufig werden Festfelder eingesetzt.
Wichtiger Hinweis: Brandschutzfenster sind immer Systeme mit definierten Komponenten und Einbaubedingungen; Austausch einzelner Teile außerhalb der Freigaben ist unzulässig.
Planung & Auswahlkriterien
Vor der Bestellung festlegen:
- Schutzziel/ Klasse: E, EW oder EI sowie Zeit (30/60/90). Mit Brandschutzplan/Behörde abstimmen.
- Wandtyp & Einbaulage: Massiv- oder Leichtbauwand, Fassadeneinbau; nur in den im Prüfzeugnis freigegebenen Wandarten und Befestigungsarten einsetzen.
- Format/Geometrie: Sichtmaß, Feldgrößen, ggf. Sprossen/Unterteilungen gem. Systemgrenzen.
- Öffnungsfunktion: Festverglasung oder Öffnungsflügel (z. B. Dreh-/Kipp). Bei Öffnungsflügeln: selbstschließende Beschläge/Feststellanlage nur, wenn geprüft und vorgesehen.
- Wärme-/Schallschutz: Möglich, jedoch nur innerhalb der geprüften Glas-/Profilkombinationen. EI-Aufbauten verbessern bauartbedingt auch den Schallschutz.
- Rauchschutz/Funktionserhalt: Falls gefordert, nur Systeme mit entsprechender Zusatzeignung (z. B. Rauchdichtheit) einsetzen.
- Oberflächen/Design: Farbbeschichtungen, Abdeckprofile und Dichtungsfarben – nur zulässige Varianten des Systems verwenden.
Bestell-Checkliste (Kurzfassung):
- Position/Einbauort, Klasse (E/EW/EI) + Minuten, Wandtyp.
- Abmessungen (Lichte/Brutto), Ausführung Fest oder Öffnungsflügel, DIN-Richtung.
- Systembezeichnung (Profilfamilie), Glasaufbau (geprüfte Kombination), Oberflächen.
- Beschläge/Schließmittel (ggf. selbstschließend), Zulassungs-/Prüfzeugnis-Referenz.
Montage, Dokumentation & Wartung
Montage (systemkonform):
- Befestigung: Nur freigegebene Anker/Schraubpunkte und Randabstände; Lastabtragung über das Grundprofil.
- Fugen/Abdichtung: Perimeterfuge mit nichtbrennbaren oder systemgeprüften Materialien (z. B. Mineralwolle, Brandschutzmörtel/-silikon) gemäß Prüfzeugnis; kein Standard-PU-Schaum.
- Verglasung/Klötzung: Trag- und Distanzklötze nach Klotzplan; nur freigegebene Glasleisten/Dichtungen/Intumeszenzstreifen.
- Öffnungsflügel: Schließkräfte, Selbstschließfunktion/Feststellanlage einstellen und dokumentieren (falls gefordert mit Auslöseeinrichtung).
Dokumentation & Kennzeichnung:
- Prüfzeugnis/Zulassungsangaben des Systems, Etiketten/Kennzeichnung am Element, Einbauprotokoll mit Fotos.
- Übereinstimmungserklärung des Verarbeiters (systemkonforme Montage), ggf. Wartungsplan hinterlegen.
Wartung & Betrieb:
- Jährliche Sicht-/Funktionsprüfung (Beschläge, Dichtungen, Verglasung, Kennzeichnung). Änderungen nur mit Systemfreigabe.
- Keine nachträglichen Bohrungen/Anbauteile im Rahmen/Glas außerhalb der Freigaben; Dicht- und Intumeszenzkomponenten nicht entfernen/überstreichen.
- Reinigung mit milden, pH-neutralen Mitteln; Beschläge gemäß Hersteller leicht schmieren (falls zulässig).
Praxis-Tipps:
- Frühzeitig die Wandkonstruktion (Massiv/Leichtbau) und Anschlüsse (Fensterbank, Leibung) mit dem geprüften System abgleichen.
- Bei Fassaden: Schnittstellen zu Sonnenschutz/Raffstore und Entwässerung so planen, dass keine teilweisen Verschattungen mit thermischer Überlast entstehen.
- Im Zweifel Muster-/Detailfreigabe einholen; Brandschutzanforderungen sind projektspezifisch und strikt nachweisgebunden.
