Glas mit Sandstrahlung
Sandgestrahltes Glas (mattiertes Glas) entsteht durch das gezielte Anrauen der Glasoberfläche mit Strahlmittel. Das Ergebnis ist eine gleichmäßig diffuse, blendarme Optik mit Sichtschutz, ohne auf Tageslicht zu verzichten. Je nach Strahlgrad und Motiv (vollflächig, partiell, Muster/Logos) lassen sich funktionale und gestalterische Ziele kombinieren – von Türen und Trennwänden bis zu Fensterfeldern, Duschen oder Möbelfronten.
Glas mit Sandstrahlung – Einsatz, Optik und Funktion
Typische Anwendungen:
- Innen: Ganzglastüren, Seitenteile, Raumteiler, Treppenhausbrüstungen, Möbelfronten, Duschabtrennungen.
- Außen: Sichtschutzzonen in Fassadenfeldern, Hauseingangsbereiche, Balkonbrüstungen (in geeigneten Verbundaufbauten).
Wirkung & Eigenschaften:
- Sichtschutz & Licht: Diffuse Oberfläche streut Licht und reduziert Durchsicht; Grad der Mattierung über Strahlintensität steuerbar.
- Blendfreiheit: Geringere Reflexe, angenehme Lichtverteilung in Arbeits- und Wohnbereichen.
- Haptik: Samtige Oberfläche; optional mit Versiegelung (Anti-Fingerprint/Schutzfinish) für leichtere Reinigung.
- Designfreiheit: Teilmattierungen, Verlauf, Streifen, Piktogramme über Abdeckmasken; Kombination mit farbigem/keramischem Druck möglich.
Sicherheitsaspekte:
- ESG/VSG: Für Türen, Brüstungen, bodentiefe Felder Verbundsicherheitsglas (VSG) oder vorgespanntes Glas (ESG) – je nach Einsatz und geforderter Resttragfähigkeit.
- HST optional: Bei außenliegenden ESG-Anwendungen kann ein Heißlagerungstest das Spontanbruchrisiko weiter reduzieren.
Planung, Spezifikation und Verarbeitung
Festlegen der Spezifikation (Checkliste):
- Glasart & Dicke: Float/ESG/VSG in projektgerechter Dicke; bei Absturzsicherung immer Verbundaufbau definieren.
- Mattierungsgrad: Vollflächig oder partiell; gewünschte Lichtdurchlässigkeit/Sichtschutzstufe anhand von Mustern freigeben.
- Position der matten Seite: In Isolierglas zur Scheibenzwischenraumseite orientieren (Schmutz-/Kratzschutz); bei Einscheibenanwendungen zur weniger beanspruchten Seite.
- Oberflächenfinish: Schutzversiegelung (hydrophob/oleophob) für stärker frequentierte Bereiche (Griffebene, Nassräume) empfehlen.
- Kanten & Bearbeitung: Sicherheitskanten (gesäumt/geschliffen/poliert). Alle Bohrungen/Ausschnitte vor dem Vorspannen festlegen.
- Reihenfolge der Prozesse: Üblich ist Sandstrahlen → Vorspannen (ESG) oder Sandstrahlen → Laminieren (VSG). Nachträgliche Sandstrahlung auf ESG nur nach Freigabe, da Festigkeit sinken kann.
- Motivdateien: Vektor-/DXF-Vorgaben für Masken; Mindestbreiten und Radien gemäß Glasveredler einhalten.
Alternativen & Abgrenzung:
- Ätzmatt (säuremattiertes Glas): Ähnliche Optik, meist glattere/pflegeleichtere Oberfläche; Sandstrahlung wirkt oft „satter“ matt – Entscheidung per Muster treffen.
- Folien-Sichtschutz: Reversibel, wirtschaftlich, aber mechanisch weniger robust als echte Mattierung.
Montage, Pflege und Praxis-Tipps
Einbauhinweise:
- Trag- und Distanzklötze nach Klotzplan setzen; keine Punktzwängungen an Kanten/Bohrungen.
- Kompatible Dichtprofile/Dichtstoffe verwenden; matte Seite nicht mit abrasiven Dichtlippen „reiben“ lassen.
- In Nasszonen (Dusche): Matte Seite bevorzugt außen zum trockenen Bereich oder mit Versiegelung ausführen; Gefälle/Abtropfbereiche beachten.
Reinigung & Pflege:
- Mit pH-neutralem Reiniger und weichen Tüchern; keine Scheuerpads, keine aggressiven Lösemittel.
- Fingerabdrücke auf unversiegelter Mattierung sofort abwischen; bei Bedarf Schutzfinish erneuern.
- In IG-Einheiten: Regelmäßig Entwässerungsöffnungen und Dichtungen der Rahmen prüfen (kein direkter Einfluss auf die Mattierung, aber auf Optik/Dauerhaftigkeit).
Praxis-Tipps:
- Muster unter Reallicht (Tageslicht/Innenlicht) prüfen; Metamerie beachten.
- Bei starkem Sonnen-/Teilverschattungs-Einfluss thermisch robuste Aufbauten (z. B. ESG/VSG, ggf. HST) vorsehen.
- Beschilderung/Logos im Fluchtbereich als kontrastreiche Teilmattierung ausführen – erhöht die Erkennbarkeit von Glastüren.
