Renovierungsfenster

Renovierungsfenster sind speziell für die Sanierung im Bestand ausgelegte Fensterelemente. Sie ermöglichen den Austausch alter Fenster mit möglichst wenig Eingriff in Putz, Leibungen und Bodenanschlüsse – ideal in bewohnten Objekten. Je nach Zustand des Altstocks kommen Überschub-/Renovierungsrahmen (Überdeckung des alten Rahmens) oder der vollständige Ausbau mit Neuversatz zum Einsatz. Entscheidend sind ein sauberes Aufmaß, ein bauphysikalisch korrekter Anschluss (innen luftdicht, Mitte dämmend, außen schlagregendicht & diffusionsoffen) und die stimmige Anbindung an Fensterbank, Sonnenschutz und Laibung.

Renovierungsfenster

Renovierungsfenster – Varianten, Vor- und Nachteile

1) Renovierungsrahmen / Überschublösung: Neuer Rahmen überdeckt den alten Stock (Holz/Metall) mit Abdeckprofilen.

  • Vorteile: Schnelle Montage, kaum Staub/Lärm, geringe Eingriffe in Fassade und Innenputz, bewohnte Räume bleiben nutzbar.
  • Nachteile: Leichter Verlust an Lichtöffnung (Überdeckbreite), Altstock muss tragfähig und trocken sein, sorgfältige thermische/traufseitige Detailplanung notwendig.
  • Einsatz: Altbestand mit intaktem, fest verbundenem Rahmen ohne Feuchte-/Fäulnisschäden.

2) Teil-/Vollausbau Altstock: Alter Rahmen wird vollständig herausgenommen, Neuelement wird in der Dämmebene neu gesetzt.

  • Vorteile: Maximale Lichtöffnung, optimale Einbaulage (Wärmebrückenminimierung), freie Wahl der Anschlussdetails.
  • Nachteile: Mehr Staub/Schmutz, Putz-/Laibungsarbeiten nötig, längere Montagezeit.
  • Einsatz: Schadhaftem Altstock, Feuchteschäden, unpassender Geometrie oder bei energetischer Fassadensanierung (z. B. mit WDVS).

Profilmaterial & Glas: Kunststoff (pflegeleicht, wirtschaftlich), Aluminium (formstabil, große Formate), Holz/Holz-Alu (natürlich, gute Dämmung). Verglasung 2-/3-fach, „warme Kante“, je nach Bedarf Schallschutz-, Sicherheits- oder Sonnenschutzglas.

Komfort & Sicherheit: Dreh-Kipp, Spalt-/Falzlüfter, einbruchhemmende Beschläge (Pilzkopfzapfen), abschließbare Griffe. Bei Renovierungsrahmen auf kompatible Abdeck-/Anschlussprofile und Fensterbanklösungen achten.

Aufmaß, Planung und Anschlussdetails

Aufmaß (alle Maße in mm):

  • Laibungslichte innen/außen und Diagonalen messen (Schiefwinkligkeit erkennen); Einbaulage (Dämmebene) festlegen.
  • Altstock prüfen: Material, Befestigung, Ebenheit, Feuchte-/Fäulnisschäden. Bei Überschublösung muss der Altstock tragfähig und trocken sein.
  • Öffnungsarten & DIN-Richtung je Position definieren; Beschlagtragfähigkeit für große/ schwere Flügel prüfen.
  • Fensterbank/Sockel: Innen- und Außenfensterbankhöhen, Gefälle, Tropfkante; ggf. Fensterbankanschlussprofil (WAP) und neue Unterschiene einplanen.
  • Sonnenschutz: Rollladen-/Raffstoreführungen, Kastenhöhen, Revisionsrichtung; bei Renovierungsrahmen passende Abdeck-/Adapterprofile wählen.

Detailplanung Anschluss (3 Ebenen):

  • Innen (luftdicht): Anschlussfolie/Band an Rahmen/Altstock bzw. Baukörper; Überlappungen umlaufend.
  • Mitte (dämmend): Gleichmäßige Hinterfüllung (Fugendämmstoff), Hohlräume vermeiden; tragende Verklotzung im Lastbereich.
  • Außen (schlagregendicht & SD-offen): Kompribänder/Außenfolie; Entwässerungswege frei halten, Tropfkante ausbilden.

Thermik & Schallschutz: Einbaulage möglichst in/nahe der Dämmebene, thermische Trennung an Schwelle/Fensterbank, dichte Führung der Rollladen-/Raffstore-Schienen. Schallschutz über asymmetrische Gläser und größere Scheibenzwischenräume verbessern.

Optik & Pflege: Zweifarbige Ausführungen möglich; Dichtungs-/Kappenfarben passend wählen. Dunkle Außenoberflächen = höhere Aufheizung → Dehnwege/Fugenführung beachten.

Montage, Abnahme und Pflege

Montage – Kurzablauf (Überschub-/Renovierungsrahmen):

  1. Alte Flügel/Glas ausbauen, Altstock reinigen und auf Tragfähigkeit prüfen; lose/feuchte Bereiche sanieren.
  2. Neurahmen mit Abdeck-/Anschlussprofilen vormontieren, lot- und fluchtgerecht in die Öffnung setzen, tragend verklotzen.
  3. Lastabtragende Befestigung über das Grundprofil (nicht über Abdeckleisten); Rand- und Achsabstände einhalten.
  4. Anschluss nach 3-Ebenen-Prinzip ausführen: innen luftdicht, Mitte dämmend, außen schlagregendicht & diffusionsoffen.
  5. Fensterbankanschluss herstellen (WAP, Gefälle, Tropfkante); Sonnenschutz-Schienen anbinden.
  6. Flügel einhängen, Beschläge auf Höhe/Seite/Anpressdruck einstellen; Funktionsprüfung (Dreh/Kipp/Verriegeln).

Montage – Kurzablauf (Vollausbau):

  1. Altstock abschnittsweise lösen/ausbauen; Laibung reinigen/eben herstellen.
  2. Neurahmen in der geplanten Dämmebene ausrichten, verklotzen und lastabtragend befestigen.
  3. 3-Ebenen-Abdichtung umlaufend; Fensterbank/Sockel neu aufbauen, Entwässerung sicherstellen.

Abnahme & Dokumentation:

  • Sicht- und Dichtigkeitsprüfung, Fugenbild innen/außen, freie Entwässerung; Protokoll mit Fotos.
  • Bedien- und Pflegehinweise übergeben; Nachstelltermin (insb. bei großen/dunklen Elementen) einplanen.

Pflege & Betrieb:

  • Rahmen pH-neutral reinigen; Dichtungen 1–2× jährlich pflegen; Beschläge jährlich mit harz-/säurefreiem Öl schmieren.
  • Regelmäßig Entwässerungsöffnungen und Fugen prüfen; Schutzfolien nach Abschluss aller Arbeiten entfernen.

Bestell-Checkliste (Kurzfassung): Variante (Überschub/Vollausbau), Maße/Einbaulage, Profilmaterial & Farbe (innen/außen), Verglasung (2/3-fach, ggf. Schall/Sicherheits-/Sonnenschutz), Beschlagpaket & Griff, Fensterbank-/Schwellenanschluss, Sonnenschutz-Schnittstellen, Abdichtkonzept (3 Ebenen) mit benannten Materialien, Entsorgung Altfenster, Abnahmeprotokoll.

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