Glas mit Heisslagerungstest bestellen
Glas mit Heißlagerungstest (HST) ist thermisch vorgespanntes Sicherheitsglas, das nach dem Vorspannen einer zusätzlichen Wärmebehandlung unterzogen wird. Ziel ist, das Risiko spontaner Brüche durch Nickel-Sulfid-Einschlüsse deutlich zu reduzieren. Diese Option empfiehlt sich überall dort, wo Glasbruch hohe Folgekosten oder Gefährdungen verursachen kann – etwa in Fassaden, Überkopfverglasungen oder absturzsichernden Bereichen. Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Einsatzfälle, technischen Spezifikationen sowie Bestell- und Montagehinweise.
Glas mit Heißlagerungstest – Einsatz und Vorteile
Was bedeutet Heißlagerungstest (HST)? Nach dem Vorspannen wird das Glas über definierte Zeit und Temperatur „geheizt“, um kritische Einschlüsse (insbesondere NiS) gezielt zum Versagen zu bringen – betroffene Scheiben fallen so bereits im Werk aus, nicht später im Betrieb.
- Typbezeichnung: ESG-H (Einscheiben-Sicherheitsglas mit HST) – gegenüber Standard-ESG mit zusätzlichen Prüfprozessen.
- Vorteile: Deutlich geringere Spontanbruchwahrscheinlichkeit, höhere Betriebssicherheit, minimiertes Folgeschadenrisiko.
- Anwendungsbereiche: Fassadenfelder, punktgehaltene Verglasungen, absturzsichernde Verglasungen (in Verbundaufbauten), Überkopf/Canopies, hochfrequentierte Bereiche.
- Wichtige Einschränkung: Der HST reduziert das Risiko stark, schließt spontane Brüche jedoch nicht zu 100 % aus.
Technische Spezifikationen und Auswahlkriterien
Normative Einordnung: ESG nach entsprechender Produktnorm; Heißlagerungstest nach einschlägiger HST-Spezifikation. In Ausschreibungen klar als „ESG-H (HST)“ kennzeichnen.
- Glasarten & Dicken: Klarglas/Extraweiß, getönt, beschichtet oder bedruckt; übliche Dicke ca. 4–19 mm (projektabhängig).
- Kantenbearbeitung: Gesäumt, geschliffen, poliert; Sicherheitskanten obligatorisch. Kantenqualität ist maßgeblich für Festigkeit.
- Bohrungen & Ausschnitte: Müssen vor dem Vorspannen eingebracht werden; Mindestabstände/Radien nach Herstellervorgabe einhalten (z. B. keine scharfen Ecken, ausreichend große Innenradien).
- Maßtoleranzen & Ebenheit: Roller-Wave/Anisotropie sind produktionsbedingt möglich; vor allem bei Sonneneinstrahlung sichtbar – in Sichtqualitätsanforderungen berücksichtigen.
- Oberflächen & Beschichtungen: Low-E/Sonnenschutzbeschichtungen und keramischer Digital-/Siebdruck sind kombinierbar; Lage (Positionsnummern) eindeutig festlegen.
- Kennzeichnung & Nachweis: Stempel/Code mit Glasart und HST-Hinweis, Prüfprotokoll/Chargennachweis je Lieferung anfordern.
- Verbundaufbauten: Für absturzsichernde/Überkopf-Anwendungen häufig als VSG aus ESG-H (z. B. mit PVB/ionoplastischen Zwischenlagen). Statik und Resttragfähigkeit projektbezogen bemessen.
Bestellung, Einbau und Praxis-Tipps
Bestell-Checkliste (für eine eindeutige Spezifikation):
- Positionsliste mit Maßen (mm), Glasdicke, Stückzahl, Glasart = ESG-H (HST) je Position.
- Kantenbearbeitung (gesäumt/geschliffen/poliert), Bohrungen/Ausschnitte mit Plänen (DXF/PDF) inkl. Radien/Abständen.
- Beschichtungen/Druck (Motiv, Deckungsgrad, Position), Einbaurichtung/Ansichtsseite.
- Verbundaufbau (bei VSG): Scheibenfolge, Folientyp/Dicke, ggf. Resttragfähigkeitsanforderung.
- Qualitätsanforderungen an Ebenheit/Optik (z. B. Sichtzonen), Toleranzen, Kantenstempel.
- Prüfnachweis: HST-Protokoll/Chargennummern je Lieferung anfordern und archivieren.
Einbauhinweise (Kurzüberblick):
- Nachbearbeitungen (Schleifen/Bohren) an ESG-H sind nicht zulässig – alle Bearbeitungen vor dem Vorspannen festlegen.
- Nur kompatible Dicht-/Gleitprofile verwenden; Punktlasten am Rand vermeiden, Auflager elastisch und plan ausbilden.
- Ausreichende Randabstände/Bewegungsfugen vorsehen; thermische Ausdehnung und Bauteilverformungen berücksichtigen.
- Bei Verbundgläsern: richtige Einbaurichtung/Schichtenfolge, saubere Kanten; Feuchteeintrag in Kantenverbund vermeiden.
- Handling/Lagerung: senkrecht in Gestellen, trockene, saubere Zwischenlagen; Kanten schützen.
Praxis-Tipps:
- Bei hohen Sichtanforderungen ein Mock-up unter realen Lichtbedingungen prüfen (Anisotropie, Reflexionen).
- Für Überkopf/Absturzsicherung Verbund aus ESG-H bevorzugen; Resttragfähigkeit projektseitig nachweisen lassen.
- In Ausschreibungen klar formulieren: „ESG-H (Glas mit Heißlagerungstest), Liefernachweis HST je Charge erforderlich“.
